"Digitale Bibliothek", Digitale Horizonte

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Barrierefreiheit und Repositorien - Nachdenken über Open Science für alle
Susanne Blumesberger

Zuletzt geändert: 2019-03-08

Abstract


Barrierefreiheit ist ein komplexes Thema, vor allem, wenn man sich mit der Bereitstellung von wissenschaftlichem Output, der in Repositorien gespeichert ist, auseinandersetzt.  Um Inhalte barrierefrei gestalten zu können, sind in einem ersten Schritt mögliche unterschiedliche Einschränkungen von interessierten Personen zu berücksichtigen. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen haben andere Bedürfnisse als blinde oder sehbehinderte InteressentInnen. „Sehbehinderung“ sagt ebenfalls wenig darüber aus, wie die Angebote gestaltet werden müssen, denn visuelle Beeinträchtigungen können unterschiedliche Anforderungen an die Technik, bzw. an die Gestaltung der Weboberfläche erforderlich machen.  Ebenso benötigen gehörlose NutzerInnen eventuell wieder völlig andere Aufbereitungen der Daten als Hörbehinderte. Wie kann man also sicherstellen, dass alle Menschen, die Interesse daran haben, Inhalte zu nutzen, diese auch wirklich ohne Einschränkungen konsumieren können? Einerseits wird hier technische Expertise benötigt, andererseits ist aber auch ExpertInnenwissen aus anderen Bereichen gefragt. Eine enge Zusammenarbeit mit betroffenen Personen wäre hier wünschenswert um nicht an den Bedürfnissen vorbei zu arbeiten. Grundsätzliches Wissen, beispielsweise, wie man Texte barrierefrei gestaltet oder Bilder so beschreibt, dass sie auch nicht sehenden Personen zugänglich sind, ist recht rasch erlernt. Es fehlt oft an der Umsetzung, da das Problem von vielen Menschen ohne Einschränkungen gar nicht wahrgenommen wird. An erster Stelle müsste deshalb Bewusstseinsbildung stehen um problematische Situationen, mit denen viele Personen im Alltag konfrontiert sind, deutlich zu machen. Vor allem in Repositorien, aber auch in Katalogen wäre es auch wichtig, die Beschreibungen der Daten, also die Metadaten so zu formulieren und gestalten, dass sie die Inhalte nicht nur breiter zugänglich machen, sondern auch auf bereits vorhandene barrierefreie Inhalte verweisen. Viele Mängel in einem System werden erst bewusst, wenn betroffene NutzerInnen nicht ohne fremde Hilfe auf Daten zugreifen können.

Die Inhalte nicht nutzen zu können bedeutet aber auch, das System nicht aktiv verwenden zu können. Das Abspeichern von Inhalten in digitalen Langzeitarchivierungssystemen ist oft ein komplexer Vorgang, der möglicherweise sehbehinderten oder blinden WissenschaftlerInnen nicht zugänglich ist. Diese Einschränkung widerspricht jedoch dem Open Access-, bzw. OpenScience –Gedanken, der davon ausgeht, dass der eigene wissenschaftliche Output, wann immer es möglich ist, auch mit anderen geteilt werden soll. Wenn dies einer Personengruppe verwehrt ist, schließt man sie aus einem wesentlichen Bereich des Wissenschaftsbetriebes aus, denn das digitale Veröffentlichen von Publikationen wird immer wichtiger.

 

 

PRÄSENTATION:

Barrierefreiheit und Repositorien - Nachdenken über Open Science für alle. (.pdf)

Susanne Blumesberger