Zuletzt geändert: 2017-03-16
Abstract
Die Digitalisierungsmaßnahmen von Archiven aus den letzten Jahren haben großen Einfluss insbesondere auf die Entwicklung der Recherche und stellen diese auch durchaus vor Herausforderungen. Es stehen einem ortsungebunden nun mehr Informationen und Bilder zur Verfügung. Strategien für übergreifende Untersuchungen und das aufbereiten umfangreicher Wissensbestände gestaltet sich nicht einfach (Schuller, 2009). Viele Wissenschaftler sind bei einer online Recherche technisch überfordert und demotiviert durch die Vielzahl an irrelevanten Informationen (Beaudoin & Brady, 2011). In geisteswissenschaftlichen Bereichen stellen Digitalisate historischer Fotografien und deren Nutzbarkeit zur geschichtswissenschaftlichen Forschung und quellenbasierten Vermittlung historischer Objekte Kernthemen dar und sind unverzichtbar. Das Projekt HistStadt4D adressiert die Untersuchung und Entwicklung von methodischen und technologischen Ansätzen, um umfangreiche Repositorien historischer Medien mittels Visualisierungen in einem virtuellen Informationssystem für Wissenschaft und Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Anhand stadt- und baugeschichtlicher Forschungsfragen und Vermittlungsanliegen zur Historie von Dresden werden die Ansätze greifbarer und exemplarisch. Bilder und Pläne der Deutschen Fotothek bilden die Hauptquellen im Projekt.
Eine erfolgreiche Recherche mit einer Bilddatenbank hängt stark von der eigenen Expertise im Umgang mit online Informationsgewinnung ab aber auch die nutzerfreundliche Gestaltung der Plattform und ihrer Funktionalitäten spielt eine Rolle (Kemman, et al., 2014). Viele der existierenden Rechercheanwendungen kommen aus dem Bereich der Informatik und entsprechen nicht unbedingt den Bedarfen von z.B. Kunsthistorikern (Dudek, et. al., 2015). Das Einbeziehen der Nutzer bei der Entwicklung von Forschungsumgebungen und –werkzeugen ist unumgänglich, wenn man eine nachhaltige Lösung finden will.
Im Rahmen des Projektes soll unter anderem die Verbesserung eines Informationszugangs mittels Visualisierungen in einem 3D-Modell und einer Augmented-Reality-App untersucht werden (siehe Abb.). Dreidimensionale Visualisierungen sind den Sehgewohnheit des Menschen nachempfunden (Petrovič & Mašera, 2006) und erlauben es, direkt Wissen zu Aussehen, Position, Zeitlichkeit und Funktion von Objekten zu vermitteln. Der intuitive und kontextualiserte Zugang erlaubt auch einem heterogenen Nutzerkreis ein schnelles Erfassen von relevanten Informationen. Weitere Informationen können über Verlinkungen bereitgestellt werden. Fotos, die am Aufnahmestandpunkt angezeigt werden, sind so objekt-bezogen zugänglich. Interaktion und Manipulation der Daten sind für Forschungszwecke sehr interessant (Webb & O’Carroll, 2013). Bilder können in der Plattform entzerrt und segmentiert werden. Die anschließende Merkmalsextraktion erlaubt das Identifizieren von Veränderungen an einem Objekt. Statistische Analysen häufig fotografierter Orte in einer Stadt geben Aufschluss über deren Bedeutung und lassen zeitliche Veränderungen erkennbar werden.
Das Projekt wird seit August 2016 von einem interdisziplinären Team an der Technischen Universität Dresden (Medienzentrum, Professur für Photogrammmetrie) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Mensch-Computer-Interaktion, Kunstgeschichte) durchgeführt. Weiter Partnereinrichtungen sind die SLUB Dresden, die mit der Deutschen Fotothek die Datengrundlage bereitstellt, die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden und die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH als Anwendungspartner aus der Praxis.
PRÄSENTATION:
HistStadt4D – Arbeiten und Vermitteln mit historischen Bildrepositorien. (.pdf)
